John Quincy Adams, Werkschau John Quincy Adams, Bilder von John Quincy Adams

AD 1189 Ankunft von Kaiser Friedrich Barbarossa an der Donau 1907/08

JQAW# G_1908_040
Öl auf Leinwand ca. 260 x 840 cm
Signatur: unbekannt, wohl: John Quincy Ɑdams
Werk verschollen

Dieses verschollene Monumental-Historienbild ist aus der Künstlerhausausstellung 1908 (Katalog #338, als unvollendet bezeichnet) sowie dem Einlaufbuch des Künstlerhauses (52 1908/09 #1768) und zeitgenössischen Presseberichten (Die Zeit 24.3.1908 S.2) dokumentiert.

Wiens Bürgermeister Karl Lueger beauftragte 4 Wiener Künstler, historische Monumentalgemälde zur Ausgestaltung der seitlich von Festsaal des Wiener Rathauses gelegenen Buffeträume auf eigene Kosten anzufertigen. Die beauftragten Künstler waren neben John Quincy Adams (1873-1933) auch Alois Hans Schramm (1864-1919), Charles Wilda (1854-1907) sowie Albin Egger Lienz (1868-1929). Charles Wilda verstarb bereits im Jahr 1907 und dürfte nicht mit dem Auftrag begonnen haben. Sein Sujet ist unbekannt. Das Werk von Adams ist verschollen. Die zwei Werke von Schramm und Egger Lienz sind erhalten und im Besitz des WienMuseums (s. Querverweise). Sie stellen den Einzug König Etzels in Wien aus der Nibelungensage (Egger Lienz, datiert 1909/10) dar sowie Fischer von Erlach präsentiert Kaiser Karl V das Modell der Karlskirche vor der im Bau befindlichen Kirche (Schramm 1907/08). Das Schramm-Bild war 1908 neben dem Adams-Bild ebenfalls im Künstlerhaus ausgestellt. Aus diesen zwei Werken (sowie dem phänomenal hohen Versicherungswert von 30,000 Kronen des Adams-Werkes bei der Künstlerhausausstellung (EL 52 1908/09 #1768) kann auch auf das idente Riesen-Format des Adams-Bildes (260 x 840 cm) geschlossen werden. (Das Format ergibt sich aus den Abmessungen der seitlichen Buffeträume und der geplanten Anbringung über der auch heute noch existierenden Holzverkleidung. Einer dieser Buffeträume dient derzeit als Büro des Bürgermeisters von Wien. Das Projekt wurde nach dem Tode von Bürgermeister Lueger im Jahr 1910 nicht weiter verfolgt.)

Der Titel des Adams Werkes Ankunft Kaiser Barbarossa’s an der Donau bezieht sich auf eine historische Episode aus dem 3. Kreuzzug, wo Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1122-1190) mit dem Kreuzzugsheer in Wien Station machte. Er kam am 18.5 1189 in Wien an, die Anreise erfolgte per Schiff auf der Donau. (Die Wien Chronik berichtet, daß nach dem Aufenthalt 500 Kreuzritter das Heer wegen „unsittlichen Betragens“ verlassen mussten. Wie bekannt, ertrank der Kaiser auf diesem Kreuzug dann 1190 im Fluss Saleph in Kleinasien.) Dies war der zweite Besuch Kaiser Friedrich Barbarossa’s in Wien. Der erste erfolgte im Jahre 1165.

Es ist nicht bekannt, an wen das Adams-Werk nach der Ausstellung 1908 ausgefolgt wurde (der normalerweise zu erwartende Eintrag im Einlaufbuch ist leer) und ob Adams das Werk vollendete und schlussendlich verkaufte (es befand sich nicht im umfangreichen Nachlass des Künstlers). Das Bild ist also seit der 1908 Ausstellung verschollen und hat sich wenn überhaupt wohl wegen des extremen Formates nur in eingerolltem Zustand erhalten. (Die Rolle des Schramm-Bildes hat 52 cm Durchmesser und ist 3 Meter hoch.)

Der Kritiker Josef Folnesics schreibt (Die Zeit 24.3.1908 S.2) positiv, wenn auch wenig enthusiastisch über die Adams- und Schramm-Bilder:
„Wenn es gilt, einen Festsaal bedeutungsvoll und feierlich zu dekorieren, hat man von jeher gern historische Vorwürfe gewählt, und die Säle des Dogenpalastes [in Venedig] sind ein glänzendes Beispiel, wie eine solche Aufgabe in einwandfreier Weise zu lösen ist. Die koloristische Wirkung, der dekorative Zusammenklang sind dabei die Hauptsache. Ein solches Bild muß in die Ferne wirken und darf in der Nähe an Interesse nicht verlieren. [...] Das geschichtliche Ereignis ist Nebensache, es ist nichts als ein willkommenes Motiv, um einen wohltuenden Zusammenklang von Farben, eine großartige Dekoration mit einem ernsten, würdigen Inhalt zu gewinnen. Von diesem Gesichtspunkt aus sind die beiden für das Wiener Rathaus bestimmten großen Bilder von Adams und Schramm zu betrachten. Adams stellt die Ankunft des Kaisers Barbarossa an der Donau dar. Historische Treue hätte in solchem Falle wenig Wert. Das Bild muß wirken und im allgemeinen verständlich sein, es muß sich harmonisch in den Raum fügen, den es schmücken soll, es darf nicht zu realistisch, auch zu kräftig und selbständig in der Farbe sein, es muß sich an Ort und Stelle als etwas ganz Selbstverständliches präsentieren. Diese Aufgabe erfüllt das Bild von Adams in vortrefflicher Weise, und Schramm, der Fischer von Erlach gemalt hat, wie er Kaiser Karl VI. das Modell der Karlskirche erklärt, steht zu dem Bilde Adams' in keinem Gegensatz. Sich für beide Arbeiten besonders zu erhitzen, ist kein Anlaß vorhanden, aber ihren Zweck werden sie in vollkommen zufriedenstellender Weise erfüllen.“

Ausgestellt

1908 Künstlerhaus Wien (Katalog #338), Einlaufbuch 52 1908/09 #1768

Literatur

APH, Werksverzeichnis JQA 1995, S. 88, Kat.#57, ohne Abbild (dort mit 1908 datiert)

Provenienz

Seit der 1908 Ausstellung verschollen.

Top