Reiterbildnis Kurz 1908

Ganzkörperportraits von Herrn Kurz und seiner Tochter im Reitgewand mit zwei Reitpferden vor Landschaftshintergrund. Herr Kurz, links im Bild, in nach links gedrehter seitlicher Stellung in dunklem Reitrock, hellen Reithosen, Reitstiefeln und einer karierten Kappe in der rechten Hand. Tochter Kurz im Bildmittelpunkt, in seitlicher Stellung, den Kopf zum Betrachter gewandt und ihr Pferd am Zügel haltend; in schwarzen Reitgewand und Kappe, weißen Handschuhen und einer Reitgerte unter der linken Achsel. Die zwei Reitpferde nur im Vorderteil abgebildet, das vordere in aufrechter Stellung, das hintere mit zum Boden geneigtem Kopf.

Öl auf Leinwand 240 x 240 cm
signiert: John Quincy Ɑdams
Nur fragmentarisch erhalten.
Privatbesitz Österreich und Frankreich.

Portrait des Textil-Industiellen Franz Ferdinand Kurz von Hardtendorff (1861-1921) und seiner Tocher Franziska Caroline „Lily“ Kurz von Hardtendorff (ab 1909 verh. von Meiss Teuffen, 1887-1970). Das grossformative, repräsentative „Reiterbildnis Kurz“ war wohl für die, vom ebenfalls aus Jägerndorf stammenden Jugenstilarchitekten Leopold Bauer 1902 erbaute (heute nicht mehr bestehende) Villa Kurz in Jägerndorf (Krnov CZ) bestimmt. Neben dem Reiterbildnis malte Adams im gleichen Jahr auch ein Portrait von Frau Kurz (Helene, geb. Krackhart 1861-1944) mit ihrer Tochter Lily. Ebenso hat sich eine Pferdekopfstudie zum Reiterbildnis erhalten (s. Querverweise).

Die Übernahme der Formensprache des aristrokratischen/herrschaftlichen Reiterbildnisses für die Repäsentationszwecke des aufsteigenden Bürgertums erregte bei der 1908 Ausstellung in Künstlerhaus Aufmerksamkeit ebenso wie Spott. Das Gemälde und Adams wurden in der Faschingszeitung des Künstlerhauses persifliert (die dreidimensionale Karrikatur wurde von Künstlerhaus Förderer und Hobby-Bildhauer Moritz Rothberger, einem bekannten Kunstsammler –auch von Adams Werken- verfertigt). Entgegen der Meinung der Spötter, ist die Darstellung der Pferde im Gemälde (s. auch die Pferdekopfstudie) definitiv meisterlich.

1921 verstarb Franz Ferdinand Kurz. Als Folge des ersten Weltkrieges und der Eingliederung Schlesiens in die eben gegründete Tschechoslowakei musste die Familie Kurz v. Hardtentorff ihr großes damals modernes Haus und ihr Vermögen in Jägerndorf aufgeben. Es folgte die Hyperinflation und die Wirtschaftskrise und 1929 erfolgte der Verkauf der Tuchfabrik Franz Kurz an die Fa. Larisch & Söhne. Die Familie war nach Wien gezogen. Die zwei grossformatigen Bilder (Reiterbildnis und Mutter & Tochter Kurz) wurden von Lily v. Meiss schliesslich nach Linz übersiedelt, wo diese bis 1970 in ihrer Wohnung hingen. Später wurden die grossformatigen Bilder in einzelne Teile des Bildes verkleinert. Die verschiedenen Bilder befinden sich immer noch im Besitz der Familie in Oesterreich, Frankreich (Reiterbildnis) und Schottland (Mutter & Tochter Kurz) (s. Farbinserts in der S/W Reproduktion).

Ausgestellt

1908 Künstlerhaus Wien No. 24 (EL 52 1908/09 #3224)

Literatur

Westermanns Monatshefte 58(115), 1913, pp. 92-105, Abb. S.93.

APH, Werksverzeichnis JQA 1995, S. 90, Kat.#59, Abb.#41.

Christina Gschiel et al., Schneidern und Sammeln: Die Wiener Familie Rothberger, 2010, Böhlau.

Provenienz

Dargestellte.
Deren Familienachkommen,
Privatbesitz Österreich, Frankreich.

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