John Quincy Adams, Werkschau John Quincy Adams, Bilder von John Quincy Adams

Die Operation 1909

Bildbeschreibung s. unten.



Öl auf Leinwand 200 x 200 cm
Signatur: John Quincy Ɑdams 1909
Universität Wien, Institut für Geschichte der Medizin Josefinum,
Bildstandort: Universitätsklinik für Frauenheilkunde, AKH Ebene 8, Wien.
Abbild: Künstlerhausarchiv Wien, Farbinsert Van Swieten blog Universität Wien.

Eine Gruppe von vier Ärzten mit einer geistlichen Krankenschwester führt eine gynäkologische Operation an einer Patientin durch. Die Patientin ist auf einem gynäkologischen Stuhl, Becken hochgelagert, ihr Oberkörper ist durch ein Tuch abgedeckt, im Unterleib klafft eine rote Operationswunde. Der Operateur und sein Assistenzarzt (links an der Patientin stehend) halten Zangen, bereit zum Entfernen des Tumors. Ein Arzt, mit Vollbart, rechts stehend hält die Ränder der Operationswunde, ein ander, mit Rücken zum Betrachter sitzend, fühlt deren Puls am rechten Arm. Der Operationssaal ist durch gekachelte Wände, einem Waschbecken in dem sich chirurgische Instrumente befinden, sowie einem auf einem fahrbaren Gestell befindlichen runden Sterilisationsapparat dargestellt. Das Farbschema ist in verschiedenen weiß, weiß-gelblich, und weiß-grau Tönen gehalten. Nur die Hautfarben der Beteiligten und die klaffende rote Operationswunde setzen Farbakzente.

Das Bildnis stellt Professor Ernst Wertheim (mit Glatze) bei einer Operation dar. Die beteiligten Personen sind weiters (die Schreibweisen der Namen in den Quellen sind verschieden): Dr. Wilhelm Weibel als zweite Assistenz (glattrasiert, rechts neben Wertheim stehend), Wertheim’s Privatassistent Dr. Theodor Micholitsch (Mickulicz) als erste Assistenz (mit Vollbart, rechts neben der Patientin stehend, die Ränder der Operationswunde haltend), Dr. Bartuschofsky (Bartusowsky) (sitzend) als Narkosearzt (in Schaller, 1994 nicht namentlich identifiziert), sowie die instrumentierende geistliche Schwester des Ordens der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul (erkenntlich an ihrem gestärkten Schleier, deren „Flügel“ für die Operation zurückgebogen sind. Bezeichnenderweise ist ihr Name in keiner der vorhandenen Quellen überliefert).

Prof. Ernst Wertheim (1864-1920), seit 1910 Ordinarius and der II. Universitäts-Frauenklinik führte erstmals eine operative Behandlungsmethode (Totalentfernung) von Gebärmutterhalskrebs, der bislang nicht heilbar war, ein. Die im Bild dargestellte Operation ist aber (s. Literatur) eine Entfernung eines Uterus-Myoms (eines gutartigen Gebärmutter-Tumors). Bis auf einige künstlerische Details (die Ärzte tragen keine Kappen und Dr. Micholitsch sollte nicht seitlich der Patientin, sondern zwischen ihren Beinen stehen) ist die Operation detailgenau dargestellt. Die Operation fand wohl im Bettina-Stiftungspavillon des k. k. Kaiserin-Elisabeth-Spitals (benannt nach Bettina, der verstorbenen Gemahlin von Albert Freiherr von Rothschild) statt, wo Wertheim vor seiner Berufung an die Universitäts-Frauenklinik gewirk hat. (Zu den minimalen „künstlerischen Anpassungen“ bei der Operations „Sitzung“, die kein hygienisches Risiko darstellten, gibt Prof. Wertheim im Interview mit der Wr. Med. Wochenschrift 1909 (s. Literatur) eine detaillierte Stellungnahme ab, die nicht ohne Humor ist -so stellt er klar, daß er auf Grund seiner Glatze keine Operationshaube benötigt.) Die von Adams dargestellten subtilen Farbnuancen der Weiß-Töne sind ebenso getreu. Der ins hellgelb gehende Farbton stellt (wasserdichte) Operationsschürzen dar, die aus sog. Billroth-Batist gefertigt waren.

Wie Prof. Wertheim ausführt, hat die lange Freundschaft zwischen ihm und Adams, diesem die Beobachtung von Operationen und auch deren Darstellung im Bild ermöglicht. Aus Wertheims Sicht: „das Publikum soll uns bei der Arbeit sehen; es soll eine Vorstellung davon bekommen, wie solche Dinge beiläufig vor sich gehen. Nur kein Geheimnisvoll-Tun in ärztlichen Dingen!“ Erstaunlich ist auch die Tatsache, daß nur 5 Wochen zwischen der Anfrage von Adams an Wertheim und der Ausstellung des fertigen Groß-Gemäldes vergingen. Ein weiterer Beweis für die rasche Arbeitsweise des Künstlers.

Die Reaktion der Presse auf das im Künstlerhaus ausgestellte Gemälde war demgegenüber fast durchwegs schockiert bis ablehnend. Sowohl die Darstellung einer Operation, noch dazu im heiklen Genitalbereich, der Realismus der Darstellung mit der klaffenden Wunde und dem roten Myom stießen auf breite Ablehnung. Als Anektote wird berichtet, daß auch die Ausstellungskommission am Bild Kritik übte, worauf Adams angeblich die Glasabdeckung des Gemäldes entfernte und auf dessen Innenseite ein verhüllendes Operationstuch über die Wunde malte, die sich später einfach vom Glas entfernen lies (Dessauer, Adams Nachruf, die Presse 6. April 1933). Wie so oft, kommt die Nachwelt in Kunstdingen zu anderen Schlüssen wie die zeitgenössische Presse: das Adams Bild „Die Operation“ ist sowohl ein dokumentarisches wie auch künstlerisches Meisterwerk, das sicherlich einen besseren Standort und Zugänglichkeit verdient hätte, als in einem finsteren, niedrigen Kunstlicht-Korridor im einem Plexiglas-„Käfig“ im AKH lieblos „hingestellt“ zu sein (deswegen ist dzt. auch keine vollständige Farbabbildung des Gemäldes vorhanden - deshalb die zweifache Abbildung in Schwarz/Weiss des ganzen Bildes, und vorhandener Bildausschnitt in Farbe, im Katalogeintrag). Vergleiche mit zeitnah entstanden Gemälden von Adalbert Seligmann (1890), Max Oppenheimer (1912) und Christian Schad (1929), s. Querverweise, sind aufschlußreich und bestätigen die Einschätzung des Adams Bildes als Meisterwerk, das leider fast völlig in Vergessenheit geraten ist.

Ausgestellt

1909 Künstlerhaus Wien (EL 53 1909/10 #1516, als „Prof. Wertheim bei einer Operation“ bez.).

Künstlerhaus Ausstellung im Müveszház, Budapest #3.

1986 Akademie Schillerplatz Wien 1986, Wiener Gesellschaft im Portrait, Katalog Nr. 21

Literatur

Schaffer/Eisenburger 1986, Ausstellungskatalog #21 (m.Farbabb., gelbstichig verfälscht).

APH, Werksverzeichnis JQA 1995, S. 96, Kat.#65, Abb.#47 (S/W).

A. Schaller, Das Wertheimbild, Gyn.Geb.Rund. 1994, 34:37-42.

Wiener Medizinische Wochenschrift 1909, 13:723-724.

Provenienz

bis ca. 1930-33 beim Künstler.

Unbekannt.

1986 2. Universitäts-Frauenklinik, Wien.
seit 1993 Universität Wien, Institut für Geschichte der Medizin Josefinum, Wien.

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