Luise Eisner 1926
Legeres Ganzkörperportrait seitlich in sitzender Stellung in einem großen gelben Fauteuil hingestreckt, den Betrachter anblickend; rechter Arm auf dem Fauteuil Rückpolster abgelegt, mit überkreuzten Beinen in goldenen Pantoffeln. Rotes gemustertes Seidenkleid mit farblich abgestimmter Federeinfassung des Dekolletés und mit einreihiger Perlenkette und Perlenring. Wohninterieur lediglich durch einen Teppich angedeutet.
JQAW# P_1926_120
Öl auf Leinwand 157 x 139 cm
signiert: John Quincy Ɑdams 1926
Belvedere Wien Inv.Nr. 5554
Luise (Aloisia), geb. Fink, (1907) adoptierte Edle von Bartolomei d’Alda, (auch: Luise Fink-Bartolomei) zuletzt Fürstin Odescalchi (20.1.1887 Wien bis 13.3.1962 Wien). 1. Ehe (1908-1922) mit dem Flugpionier (Etrich Taube) Ignaz Igo Etrich (1879-1967), 2. Ehe (1922-1938) mit dem Berliner Eisenindustriellen (Albert Hahn Röhrenwalzwerke) Paul Eisner (1886-1965), 3. Ehe (1949-1962) mit Laszlo (Fürst) Odescalchi de Szerém (1893-1967). Wohnsitze in Wien und Kitzbühel (seit 1934), 1962 in Wien verstorben und in der Odescalchi Familiengruft in Hiezig beigesetzt.
Das Portrait stellt wohl den Inbegriff von Adams‘ glamourösen Damenportraitstil dar und nimmt die Formensprache späterer „pin-up girls“ vorweg. Dem Portrait wurde anlässlich der Künstlerhausausstellung 1926 der „Wiener Volkspreis“ zuerkannt, d.h. durch Besucherabstimmung als populärstes Werk ermittelt und vielfach publiziert (u.a. als Titelblatt der Zeitschrift Moderne Welt). Die Portraitierte war eine vielbeschriebene und abgebildete Wiener Schönheit (mehrere Photoportraits Madame d‘Ora’s, d.h. Dora Kalmus), mehrfach verheiratet, die durchaus ihren high-society Lebensstil (etwa als eine der ersten Frauen die 1910 ein „Aeroplan“ – einen Flugzeug-Prototypen- bestieg) mit karitativem Engagement (u.a. als Löwendompteurin bei einer Benfizgala) zu verbinden wusste. Neben Ihrem dem Belvedere per Legat überlassenen Adams Portrait, lebt auch ihr karitatives Engagement durch zwei Luise Eisner-Odescalchi Stiftungen in Kitzbühl und Wien, zur Unterstützung bedürftiger Kinder und Jugendlicher, weiter.
Das gegenständliche Gemälde war 2023-2026 Bestandteil eines Restitutionsverfahrens der Nachfahren nach der Schwester Paul Eisners, der als Jude rassisch verfolgt war und über Prag und Paris nach Buenos Aires ins Exil flüchten musste. In der Sitzung vom 12. Mai 2026 hat der Kunstrückgabebeirat den Beschluss gefasst, die Restitution des Gemäldes nicht zu empfehlen, da kein Grund bestand die Eigentümerschaft Luise Odescalchis an ihrem Portrait zu bezweifeln und dieses somit rechtmässig durch ihr Legat 1963 in den Bestand des Belvederes überging.
Querverweise
Luise Etrich (Eisner) 1910.
Luise Eisner Photo Atelier dÓra 1925.
Luise Eisner Atelier Loewy 1926.
Das "Covergirl":
Moderne Welt 1926.
Officiel de la Couture Oktober 1930 Photo Atelier d'Ora Paris.
Ausgestellt
1926 Künstlerhaus Wien No. 2. (keine Eintragung im Einlaufbuch).
1984 Schloss Halbturn, Kunst in Österreich 1918–1938.
1986 Akademie Schillerplatz Wien, Wiener Gesellschaft im Portrait, Katalog Nr. 55 (ohne Abbildung).
Literatur
Schaffer/Eisenburger 1986, Ausstellungskatalog #55.
APH, Werksverzeichnis JQA 1995, S. 204, Kat.#171, Abb.#113.
Provenienz
1926-1962 Die Dargestellte, Wien und Kitzbühel.
1963 Legat an Belvedere Wien, Inv. Nr. 5554.
1963-1967 Leihgabe an den Witwer der Dargestellten Laszlo Odescalchi, Kitzbühel.
1967-2023 Belvedere Wien.
2023-2026 Restitutionsvorbehalt, Belvedere Wien.
2026 Restitutionsverfahren negativ, somit weiterhin Belvedere, Wien.
