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Johann II. Fürst Liechtenstein 1908

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Bildbeschreibung s. unten.


Öl auf Leinwand 134 x 119 cm
Signatur: John Quincy Ɑdams 1908.
Liechtenstein’sche Fürstliche Sammlungen Vaduz-Wien GE1161
Bildnachweis: Wikimedia Commons,
für eine farbgetreuere Abbildung, die von Rot-Brauntönen dominiert wird, s. Hist.Lex.Liecht.



¾ Portrait in leichter Schrägansicht in sitzender Stellung, die Beine übereinandergeschlagen, die Hände im Schoss übereinandergelegt, den Blick am Betrachter vorbei in die Ferne gerichtet. Der Fürst in schwarzem Frack, um den Hals den Habsburger Hausorden vom Goldenen Vlies, an der Brust den Grossstern des königlich ungarischen Sankt-Stefan-Ordens (die höchste zivile Auszeichnung der Monarchie). Er sitzt auf einem mit rotem Brokat bespannten hohen Lehnsessel, dessen Haupt stark ornamental verziert ist. Dahinter ein Gobelin Vorhang, auf dem das Wappen der Liechtenstein zu sehen ist. Im linken Bildhintergrund Palaisinterieur mit einer weiß-goldenen Wandvertäfelung und einer roten Salongarnitur mit rundem Tisch.

Johann II. von und zu Liechtenstein 5.10.1840 Eisgrub/Lednice CZ bis 11.2. 1929 Feldsberg/Valtice CZ, regierender Fürst, Kunst- und Wissenschaftsmäzen.
S. seine Einträge im OeBL und im Historischen Lexikon Liechtenstein.
Bereits 18-jährig wurde Johann II. Nachfolger seines Vaters Aloys II. (1796-1858). Nach einer sorgfältigen wissenschaftlichen Ausbildung und ausgedehnten Bildungsreisen (während derer er seine Mutter Franziska die Regierungsgeschäfte übertrug) übernahm er 1860 auch persönlich die Regentschaft, die seit Antritt 71 Jahre währte, also länger noch als die von Kaiser Franz Josef I. 1862 erlies er die erste konstitutionelle Verfassung Liechtensteins, 1921 wurde nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie eine Verfassung auf parlamentarisch-demokratischer Grundlage ausgehandelt. Ansonsten war seine Regentschaft eher passiv, auch dem Fürstentum stattete er lediglich einige kürzere Besuche ab (die Fürsten Liechtenstein residieren erst seit 1938 permanent in Vaduz). Johann II. verbrachte die meiste Zeit entweder auf Reisen oder auf seinen enorm großen Besitzungen in der heutigen Tschechoslowakei auf den Schlössern Eisgrub und Feldsberg, sowie in Wien. Seine Interessen galten vor allem der Wissenschaft und der Kunst. Er führte eine Neuordnung der fürstlichen Gemäldegalerie durch und erweiterte diese durch Ankäufe beträchtlich. Großzügige Bilderschenkungen an die Akademie der bildenden Künste sowie an die Stadt Wien machten ihn zum führenden Mäzen seiner Zeit, ein Mäzenatentum, das er ebenso durch große Dotationen an die Universität Wien, die Akademie der Wissenschaften (Ehrenmitglied 1889), sowie zur Errichtung der nach Gregor Friedrich Mendel benannten Obst und Gartenbauschule in Eisgrub unter Beweis stellte. Ebenso gestaltete er eine Reihe von Besitzungen der Familie um, u.a. die Rennovierung und Rekonstruktion in romanischem Stil der Stammburg Liechtenstein bei Mödling und die Burg in Vaduz. Als Person wird er als menschenscheu beschrieben, war aber durch umfangreiche karitative und soziale Fürsorge gekennzeichnet, die ihm den Beinamen „Der Gute“ einbrachte. Er blieb unverheiratet. Allerdings war Fürst Johann II. auch Kind seiner Zeit und seines Standes mit all ihren Dünkeln und Vorurteilen. Er widersetzte sich der Verbindung seines Bruders und Nachfolgers Franz I. mit der (seit 1908) verwitweten, jüdischen Konvertitin (1899) Elsa (Elisabeth) von Gutmann (1875-1947), verheirate Baronin Erős von Bethlenfalva. Die beiden konnten erst 1929 nach dem Tode Johann’s II. heiraten.

Das Portrait Johann II. Liechtenstein wurde von der Stadt Wien 1908 anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums des Fürsten bei Adams in Auftrag gegeben. Es war zur Aufstellung im sog. Liechtenstein-Zimmer der städtischen Sammlungen bestimmt und sollte den Fürsten als Mäzen ehren. Das Bild erregte großes Aufsehen (wohl auch, weil bekannt war, dass der Fürst eigentlich Portaits und jedwelche öffentliche Auftritte grundsätzlich zu vermeiden trachtete) und wurde breit diskutiert und vielfach publiziert (Welches zeitgenössische Werk könnte eine derart breite Berichterstattung auslösen?). Das Liechtenstein Portrait brachte Adams den Durchbruch als führender Portraitmaler der vornehmen und aristokratischen Gesellschaft Wiens. Es ist wahrscheinlich, dass Adams das Bild nicht in einer formalen Portraitsitzung sondern aufgrund von Studien im Palais Liechtenstein in Wien (s. Querverweise) in Abwesenheit des Fürsten und nach Vorlagen erstellt hat (die einzelnen Bereiche des Bildes wirken wenig integriert und eher „zusammengestellt“), eine Vorgangsweise die er bereits 1903 beim Künstlerhaus Stifterportrait des Fürsten Metternich-Winneburg wählte, das post mortem angefertigt wurde. Der Fürst dürfte sein Portrait aber durchaus geschätzt haben, da er sich im hohen Alter in identer Inszenierung (Kleidung, Orden, identer Lehnsessel) photographisch ablichten ließ. Das Bild verblieb bis 1979 in den städtischen Sammlungen (WienMuseum) und wurde dann im Tauschwege (gegen ein 1873 gemaltes Porträt des Kronprinzen Rudolf von Franz von Lenbach) an die fürstlichen Sammlungen Liechtenstein in Vaduz abgegeben. Unbestätigten Meldungen zufolge hängt es im Liechtensteiner Regierungsgebäude, ist also halb-öffentlich zugänglich. Die Bildrechte des Orginals waren (aus finanziellen Gründen) für diesen Katalog nicht verfügbar (Abbildung aus Wikimedia Commons). Das Farbschema des Originals wird von dunklen Rot- und Brauntönen dominiert, was dem Bild viel mehr den Charakter eines Gemäldes eines Alten Meisters gibt (die hellere, grautönige Wikimedia Abbildung hingegen erleichtert das Erkennen von Details). Das Original-Abbild ist online auf dem Historischen Lexikon Liechtenstein einsehbar.

Ausgestellt

1909 Künstlerhaus Wien (EL 53 1909/10 #1574).

Literatur

APH, Werksverzeichnis JQA 1995, S. 94, Kat.#63 Abb.#45.

Provenienz

1908 Vom Künstler an Stadt Wien.
1908-1979 Wien Museum.
1979 Im Tausch an Liechtenstein'sche Fürstliche Sammlungen Vaduz-Wien GE1161.

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